Wort an die Gemeinde vom 6./7.1.2018

Seit dem 21.12.2017 steht ein Mitglied unserer Pfarrgemeinde in Dresden wegen Vorwürfen im Hinblick auf Vergehen an Kindern vor Gericht. Auch wenn sich diese Vorwürfe nicht auf das Gemeindeleben beziehen und in keinem Zusammenhang mit seinem ehrenamtlichen kirchlichen Engagement stehen, sind wir als seine katholische Pfarrgemeinde „Heilige Familie“ in Dresden-Zschachwitz tief betroffen.

In allen Gottesdiensten am 6./7.1.2018 wurde deshalb das nachfolgend dokumentierte dreiteilige „Wort an die Gemeinde“ gemeinsam durch den Pfarrer, den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden und die Gemeindereferentin verlesen:

Wort an die Gemeinde „Heilige Familie“ Dresden-Zschachwitz am 6./7.1.2018

(1)

Seit dem 21.12.2017  steht ein Mitglied unserer Pfarrgemeinde unter dem Vorwurf von Vergehen an Kindern vor Gericht. Auch wenn die Vorwürfe nicht mit dem Gemeindeleben oder seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten in unserer Gemeinde im Zusammenhang stehen, so sind wir doch als Gemeinde tief betroffen. Viele von uns werden ja auch die diesbezüglichen Meldungen in der regionalen Presse in der Woche vor Weihnachten verfolgt haben.

Als in der Leitung der Pfarrei Verantwortliche möchten wir uns deshalb heute mit einem gemeinsamen Wort an Sie wenden.

Unser erster Gedanke gilt den Kindern, die zu Opfern wurden. Wir beten für sie und für ihre Familie. Wir hoffen, dass das Geschehene auf ihrem weiteren Lebensweg möglichst wenig Schaden hinterlässt. Sehr dringend bitten wir alle um Respektierung von deren Privatsphäre: Hier trägt jede und jeder in und außerhalb der Gemeinde eine große Verantwortung hinsichtlich seines/ihres Sprechens über diese Vorgänge. Oberste Priorität muss hier eine Diskretion haben, welche zukünftige therapeutisch begleitete Wege der betroffenen Kinder ermöglicht.

In anderer, aber ebenso intensiver und mitbetroffener Weise schauen wir auf den aus unserer Mitte, der hier Schuld auf sich geladen hat. Im Bewusstsein, dass uns weder in strafrechtlicher noch in allgemein menschlicher Hinsicht ein Urteil über ihn zusteht, bitten wir alle um eine differenzierte Betrachtung der ganzen Person des Beschuldigten: Reduzieren wir ihn als Mensch und Mitchrist nicht auf diese konkreten und verurteilenswerten Taten! Und: Beten wir für ihn und alle, die ihm nahestehen!

Wir stehen als christliche Gemeinde nun vor der Aufgabe und Herausforderung, aus unserem Glauben und aus unserer Verantwortung vor Gott heraus mit dieser Situation und mit allen damit Beteiligten umzugehen. Damit haben wir bisher kaum Erfahrung, so dass dies auch ein Weg mühsamen Suchens sein wird.

(2)

Es wird für uns als Gemeinde wichtig sein, dass es Räume und Möglichkeiten für ein ehrliches, sinnvolles und geschütztes Sprechen über alles gibt, was uns in diesem Zusammenhang bewegt. Daher planen wir gegenwärtig einen Gemeindeabend, welcher von Vertrauenspersonen unseres Bistums für von sexueller Gewalt Betroffene begleitet werden soll.

Ausdrücklich möchten wir alle ermutigen, die irgendwann in irgendeiner Form unter sexueller Gewalt oder Grenzüberschreitungen gelitten haben, das seelsorgliche oder therapeutische Gespräch im geschützten Raum zu suchen. Über entsprechende Möglichkeiten soll bei diesem Gemeindeabend ebenfalls informiert werden.

Im Vorraum unserer Kirche hängen die Kontaktdaten der diesbezüglichen Ansprechpersonen unseres Bistums sowie anderer Institutionen ebenfalls aus.

(3)

Wir sind im Laufe eines Jahres immer wieder mit vielen Kindern, Jugendlichen und ehrenamtlichen Helfern der Gemeinde unterwegs, weil uns eine gute Kinder- und Jugendarbeit sehr am Herzen liegt.

Vielleicht fragen Sie sich in dieser jetzigen Situation, wie sicher unsere Kinder bei all diesen Aktivitäten vor Missbrauch und Gewalterfahrung geschützt sind.

Gerne möchten wir Ihnen dazu unser Konzept vorstellen und mit Ihnen ins Gespräch darüber kommen, ob unsere bisherigen Präventions- und Sicherheitsvorkehrungen ausreichend sind. Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, soll dabei auch nicht zu kurz kommen. Kompetente Ansprechpartner/innen unseres Bistums sind dabei Frau Claudia Leide, Referentin für Ehe- und Familienpastoral im Ordinariat in der Hauptabteilung Pastoral und Verkündigung, und Herr Stephan von Spies als Präventionsbeauftragter des Bistums und Leiter der Rechtsabteilung im Ordinariat, die sich an diesem Abend für uns Zeit nehmen werden.

So laden wir Sie am Donnerstag, dem 25.01.2018, um 19.30 Uhr zu diesem Gesprächs- und Informationsabend herzlich in unser Gemeindezentrum ein!

Pfarrer, Pfarrgemeinderat und Gemeindereferentin der
katholischen
Pfarrei „Heilige Familie“ Dresden-Zschachwitz